Warum überhaupt analysieren
Heu macht bei den meisten Pferden den weitaus größten Teil der Ration aus. Jede Aussage über Energie-, Protein- und Mineralstoffversorgung steht und fällt damit, ob man weiß, was in diesem Heu steckt.
Ohne Analyse arbeitet man mit Tabellenwerten. Ein „Heu, 1. Schnitt, gute Qualität“ wird dabei mit rund 6,9 MJ ME und 82 g verdaulichem Rohprotein je Kilogramm angesetzt. Das ist ein brauchbarer Mittelwert — aber die reale Streuung liegt bei den Mineralstoffen beim Zwölffachen.
Für ein gesundes Freizeitpferd ist ein Tabellenwert oft vertretbar. Für ein stoffwechselkrankes Pferd, für ein Pferd mit unerklärlichem Gewichtsverlauf und für jeden Stall, der mehrere Pferde aus derselben Charge füttert, lohnt die Analyse fast immer.
Die Probenahme entscheidet über alles
Der häufigste Fehler passiert nicht im Labor, sondern auf dem Heuboden. Wer eine Handvoll aus dem obersten Ballen zieht, misst diesen einen Ballen — nicht die Charge, die das Pferd ein halbes Jahr lang frisst.
Richtig ist eine Sammelprobe: aus mindestens zehn bis zwanzig verschiedenen Ballen der Charge je eine Teilprobe, möglichst mit einem Heubohrer aus dem Ballenkern, nicht von der Außenseite. Die Teilproben werden gemischt, und aus dieser Mischung wird die Laborprobe entnommen.
Beachten Sie außerdem: Eine Analyse gilt für eine Charge. Wechselt der Lieferant, der Schnitt oder die Fläche, beginnt eine neue Charge — und die alte Analyse gilt nicht mehr. Notieren Sie deshalb zu jeder Analyse, welche Ballen dazugehören und wann die Charge voraussichtlich aufgebraucht ist.
Ohne Analyse arbeitet man mit Tabellenwerten.
Was man untersuchen lassen sollte
Ein Grundpaket umfasst üblicherweise Trockensubstanz, Rohprotein, Rohfaser, Rohasche und die daraus errechnete Energie. Das beantwortet die Energie- und Proteinfrage.
Für die Mineralstoffbilanz braucht es zusätzlich die Mengenelemente — mindestens Calcium, Phosphor, Magnesium und Natrium — und, wenn das Budget es zulässt, die Spurenelemente, insbesondere Kupfer, Zink und Selen.
Bei stoffwechselkranken Pferden ist eine Position nicht verhandelbar: Zucker und Fruktan. Ohne diese beiden Werte lässt sich die 10-Prozent-Grenze für Zucker plus Stärke nicht prüfen, und genau die ist bei EMS, PPID, PSSM und nach Hufrehe der entscheidende Wert.
Eine Rohasche-Angabe ist nebenbei ein guter Verschmutzungsindikator: Ein auffällig hoher Wert deutet auf Erdanhaftung hin — was wiederum den Eisengehalt hochtreibt und die Kupferversorgung stört.
Die Werte lesen
Trockensubstanz. Bei Heu üblicherweise um 88 %. Deutlich niedrigere Werte bedeuten Feuchtigkeit im Ballen — ein Schimmelrisiko. Alle anderen Gehalte werden meist je kg Trockensubstanz angegeben; um auf die gefütterte Frischmasse zu kommen, muss umgerechnet werden.
Energie. Wird in MJ ME je kg angegeben. Ein Heu unterhalb des Tabellenwerts ist nicht schlechter — für ein leichtfuttriges Pferd ist es sogar das bessere Heu, weil es mehr Menge bei gleicher Energie erlaubt.
Rohfaser. Steigt mit späterem Schnitt und geht mit sinkender Energie einher. Ein hoher Rohfaseranteil bedeutet mehr Kauzeit — erwünscht bei Übergewicht, problematisch bei alten Pferden mit schlechten Zähnen.
Calcium zu Phosphor. Rechnen Sie das Verhältnis aus, nicht nur die Einzelwerte. Heu ist meist calciumbetont; entscheidend ist, was das Kraftfutter daraus macht.
Was die Analyse nicht beantwortet
Eine Analyse sagt nichts über hygienische Qualität — Schimmelpilze, Bakterien, Milben. Wer den Verdacht hat, braucht eine gesonderte mikrobiologische Untersuchung; das übliche Nährstoffpaket enthält sie nicht.
Sie sagt auch nichts über Struktur und Fresslust. Zwei Heue mit identischen Zahlen können sich in Blattanteil, Länge und Staubgehalt deutlich unterscheiden — und ein Pferd frisst das eine gern und das andere nicht.
Und sie ersetzt nicht den Blick ins Pferd. Ob die berechnete Ration wirkt, zeigt sich am Ernährungszustand, am Fell, am Kot und an der Leistung — nachgemessen über Wochen, nicht behauptet nach einer Rechnung.
Quellen
- Landwirtschaftskammer NRW, LUFA Münster: Empfehlungen für die Pferdefütterung nach den Fütterungshinweisen der GfE 2014, Stand 2024
- Verein Futtermitteltest e. V., Merkblatt 275: Neuerungen der Energie- und Proteinbewertung in der Pferdefütterung
- Verein Futtermitteltest e. V., Merkblatt 287: Neuerungen zum Mineralstoff- und Vitaminbedarf in der Pferdefütterung
- Coenen M., Vervuert I.: Pferdefütterung, 6. Auflage, Thieme 2020
Diese Veröffentlichungen sind auch die Grundlage unserer Rationsberechnung. Wo sie keine Aussage treffen, weisen wir das aus — statt zu schätzen.
